„Mimik und Gestik sind nicht immer gut zu sehen.“

Das Theater 99 aus Aachen probt seit sechs Wochen das Stück „Schule der Amazonen“. Virtuell. Schauspielerin Ekaterina Ivanova (29) schildert ihre Erfahrungen.

Von Anna E. Poth

Frau Ivanova, wann haben Sie entschieden online zu proben?

Eigentlich sollten die Proben genau mit dem Beginn der ersten Corona-Einschränkungen starten. Wir hatten sozusagen das Glück uns schon im Voraus über die Möglichkeiten, wie wir proben könnten, Gedanken zu machen. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass wir erstmal für drei Wochen über das Videotool Webex proben. Jetzt sind wir schon weit über einen Monat hinaus.

Wie war die erste Probe für Sie? Gab es Schwierigkeiten?

Ich habe mich sehr gefreut, dass wir trotz der Corona-Pandemie beschlossen hatten mit dem Proben anzufangen. Ich war total gespannt und offen für das neue Format. Das hat man ja vorher auch noch nie gemacht und irgendwie war es auch lustig, so in einen Probenprozess einzusteigen. Dass wir nicht real beieinander sein konnten, war für mich als „Neue“ etwas schwierig. Über Video lernten wir uns schon viel langsamer kennen. Jetzt ist es aber gut. (lacht)

Was sind die Herausforderungen im virtuellen Probenprozess? Was ist anders? Was lässt sich nicht umsetzen?

Mimik und Gestik sind nicht immer gut zu sehen. Manchmal liegt es am Licht der anderen Person oder an der Kamera, die schlecht ist. Oder natürlich an der Internetverbindung. Oft ist das Spielen auch überzogener und man spielt nur in die Kamera hinein. Der untere Körperbereich spielt sozusagen gar nicht richtig mit. Ich sitze auch oft im Schneidersitz bequem da oder habe meine Tasse Tee am Computer stehen. Insgesamt ist viel weniger Spannung im Spiel. Denkpausen zum Beispiel oder allein schon Blicke zu einer anderen Schauspielerin lassen sich nicht umsetzen. Es gibt, aber auch Dinge, die gut laufen. Text, Mechanik und Rollenarbeit lassen sich gut über Webex erarbeiten.

Tritt nach fast sechs Wochen Probe ein Gewöhnungseffekt ein?

Ich habe mich schnell an diese Form der Probe gewöhnt. Doch jetzt mit der Zeit merke ich, dass der Prozess stagniert. So viel länger können wir in dem Format nicht weiterproben. Vielleicht über einen Zeitraum immer mal wieder, wenn wir uns auch bald mit Abstand und Hygienevorschriften auf der Bühne zum Proben treffen.

Was vermissen Sie am meisten beim virtuellen Proben?

Das Interagieren, die Bewegung, der Raum, das Wahrnehmen der anderen Personen. Das intensivere Proben und Spielen, das einem ja auch immer etwas zurückgibt. Wenn man hier nur quasi in ein Rechteck reinspricht und nicht mit echten Menschen spielt, da fehlt wirklich etwas. Jede spielt so vor sich hin. Auch die Pausen in den Proben vermisse ich sehr. Wenn die gut sind und man sich wohlfühlt, wird dadurch auch das Stück getragen und entwickelt sich weiter.

Gibt es Pläne, das Stück vor Publikum mit Hygienemaßnahmen aufzuführen?

Das überlegen wir noch. Aktuell würde es sich nicht lohnen, da nur acht Leute im Publikum sein dürften. Wir haben schon angedacht ein Videostück draus zu machen mit drei parallel aufgehängten Bildschirmen oder eben ganz einfach mit Mundschutz, aber ja da überlegen wir noch weiter.

Hintergrund:
Ekaterina Ivanova (29) ist Schauspielerin am Theater 99 der Aachener Kultur- und Theaterinitiative e.V. Sie wurde gegründet, um Theatergruppen und Schauspielerinnen und Schauspielern der Region eine Plattform zu bieten. Der Verein existiert seit 1983, die dazugehörige Spielstätte „Theater 99“ seit 1986. Ekaterina Ivanova spielte zuvor im Festengagement am Landestheater Eisenach. Seit 2019 ist die freie Schauspielerin vor allem in Mannheim und Aachen tätig.

 

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