Theater muss nicht immer in einer dunklen Kammer entstehen

In der Wüste liegen und träumen. Den Sand zwischen den Fingern spüren. Sich gegen einen Sandberg lehnen und in den Himmel schauen. Einfach Träume entstehen lassen. Die Schauspielerin und Autorin Marion Bott hat die „Theater Company Blauhauch“ gegründet, eine Theatergruppe, die basierend auf ihre Träume, Stücke entwickelt. 13 Frauen aus unterschiedlichen Performance Richtungen, Schauspielerinnen, Autorinnen, Zirkus-Artistinnen, Tänzerinnen, Video-Künstlerinnen aus der ganzen Welt proben und entwickeln in natürlichen Umfeldern, wie in der Wüste, im Wald oder am Meer.

In ihrem ersten Stück „What silence has to say“ haben sie sich mit der Frage beschäftigt, was es heißt weiblich zu sein und wie die Rolle der Frau in den verschiedenen Kulturen wahrgenommen wird. Für das Stück nutzen die Schauspielerinnen acht Träume verschiedenster Intensitäten. Von Ekstase bis Missbrauch behandelt das Stück die Erfahrungen, Erlebnisse und Träume der Darstellenden.

Auf Gran Canaria schrieben sie gemeinsam in Sanddünen, Vulkankratern oder in der Wüste. Durch eine Crowdfunding Kampagne blieb für alle Mitglieder der Flug und Verpflegung vor Ort günstig, sodass sie ohne Geldsorgen zwei Wochen arbeiten konnten. Marion ist es vor allem wichtig, das Theatermachen umzudenken und die Entstehung freier werden zu lassen. „Es muss ja nicht immer alles in einer kleinen dunklen Kammer passieren“. Für die Endproben des Stückes konnte „Blauhauch“ im Schloss Bröllin drei Wochen lang arbeiten und proben. Ihren Aufenthalt förderte die Stadt Berlin. Auch waren die ersten Aufführungen im Schloss, an die sich Marion zurückerinnert: „Es waren fast nur Männer im Publikum und man hat gemerkt, dass sie sich bisschen überfordert fühlten mit so viel Womenpower. Als ein paar Männer so zwischen 50 und 60 angefangen haben zu weinen, war uns klar, dass wir hier auch was Richtiges machen.“

Marion möchte mit „Blauhauch“ Strukturen verändern und aufbrechen. Die Schauspielerinnen kommen aus verschiedenen Ländern: Frankreich, England, Norwegen, Portugal, Deutschland, Schweiz, USA, Philippinen, Chile. Gemeinsame Stücke zu entwickeln, wenn man mit anderen Hintergründen und Systemen konfrontiert worden ist, schafft für Marion etwas komplett Neues und Einzigartiges. In zwei Jahren wollen sie in allen Ländern spielen und proben, sodass jedes Land sie zu neuen Stücken, Sichtweisen inspirieren und ihre Arbeit bereichern kann.

„Die Welt oder auch Europa ist so bereichernd, wenn andere Kulturen zusammenkommen und etwas Neues entsteht. Es ist so wie ein neues Kochrezept, wo man auch nicht weiß was Gutes herauskommt.“

©Marion Bott

Marion Bott ist in Strasbourg aufgewachsen und hat auch dort erstmals die Theaterwelt kennengelernt. Ihr Schauspielstudium hat sie in der internationalen Stadt Mannheim absolviert. Mannheim hat für sie einen ganz eigenen Charme und eine besondere Inspiration.

Nach ihrer Zeit in Mannheim folgte spontan ein Master Kurs in London. Die deutsche und britische Lehre in der darstellenden Kunst unterscheidet sich sehr. Erst in London hat sie lernen können, dass es nicht darum geht für andere perfekt in einen Rahmen zu passen, sondern dass man seine Stärken so zu etwas Eigenen entwickelt, dass man keinen Rahmen braucht. Die beste Version von Dir selbst zu sein, ist die Motivation. Ohne Rahmen. Voller Energie und Inspiration schrieb sie während des Master-Kurses ein Drehbuch, wodurch sie kurzzeitig an die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam kam. Ihr neues Stück „Moormaid“, das sie ursprünglich als Drehbuch verfasste, wurde letztes Jahr für die „TOP 10 best off west-end Shows“ in London nominiert.

„Der Preis hat mir nochmal so viel Mut gegeben. Ich bin so dankbar, dass ich mit so viel mehr Freiheit arbeiten kann und in London mir so viel mehr Möglichkeiten gegeben worden sind.“

Marion Bott möchte mit „Blauhauch“ einen Performance Gruppe in Deutschland schaffen, die so viel Geld einspielt, dass niemand mehr Geldsorgen hat. Aktuell belegt sie einen Entrepreneur Lab Business Kurs, um ihre Company nachhaltig wachsen zu lassen und die gemeinsame Vision weiterzubringen.

„Ich möchte eine neue Theaterwelt kreieren, wodurch auch Unternehmen Teil des Kreativprozesses sind und man ein gutes Businessmodel aufbauen kann. Ich möchte allen Schauspielerinnen die Möglichkeit erschaffen ein völlig neues Selbstbild aufzubauen, weit entfernt von den co-abhängigen Strukturen in die wir konditioniert wurden.“

Sie schreibt aktuell an ihrem Drehbuch „Cleos Patria“ in dem auch die „Theater Company Blauhauch“ entscheidende Hauptrollen spielen wird. 111 Frauen treffen aus allen Kulturen der Welt aufeinander..

„Ich finde es so wichtig Hierarchien umzuwerfen. In Cleo’s Patria sehe ich Stars die Nebenrollen spielen. Ich will einen Raum schaffen in dem es um das gemeinsame Erlebnis geht, um das gemeinsame Erfahren dieser Geschichte.“

 

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