Wenn Journalisten und Journalistinnen fliegen lernen

Als ich am Bonner Hauptbahnhof in die Bahn stieg, die mich zur Haltestelle Heussallee/Museumsmeile bringen sollte, bekam ich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Ich war mir nicht sicher in wie weit es ja dann doch mögliche Gefahrensituationen geben könnten bei so einer großen Menschenansammlung. Ich nahm die Rolltreppe hoch zur Kreuzung. Der Platz war noch recht leer, rechts von mir das Kunstmuseum und auf der linken Seite konnte man mit zusammengekniffenen Augen, die UN-Gebäude sehen. Heute ist die größte Demonstration zu mehr Klimaschutz geplant. Am Wochenende beginnt die Weltklimakonferenz auf der sich alle Vertreter von 195 Ländern treffen, um über einen weiteren Plan für mehr Klimaschutz und gegen die Erderwärmung zu sprechen.

Auf dem Platz angekommen an dem später die Abschlusskundgebung der Demonstration mit Redebeiträgen und Musik stattfinden soll, erhielt ich eine kurze Einweisung im Pressebereich. Ich hatte die Aufgabe die Journalisten und Journalistinnen mit einem kleinen Hubwagen in die Höhe zu befördern, sodass die Fotos von der Menschenmenge machen können. Zu der jetzigen Zeit war nur noch keiner da. Außer eine Reihe an Einsatzwägen der Polizei, die mal eben sich im Kunstmuseum erleichtern mussten, war niemand zu sehen.

Diese Reihe von Wägen und die unnötige Polizeipräsenz sorgte schon für ein wenig erhitzte Gemüter. Doch ca. zehn Minuten später fuhren die blauen Wagen an eine andere Stelle, um dort endgültig zu parken. Von meinem Hubwagen aus konnte ich sie nicht mehr sehen. Als kleine Hürde musste ich noch ein wenig an dem Hubwagen herumtricksen, damit er nicht mehr so viele Pieptöne von sich gab, wenn die Journalisten und Journalistinnen Filmaufnahmen machen wollten. Man fühlte sich schon ein wenig ausgegrenzt auf so einem leere Platz. Nur Telefongespräche und das sekündliche Twitterupdate lieferten uns Zeiten, wo und wie viele Demonstranten jetzt auf dem Weg zu uns waren. Laut aktuellen Schätzungen der Organisationen, die die Demonstration mit organisiert haben, sind es 25.000 Leute auf der Klimademo in Bonn. 25.000 Leute, das sind fast so viele wie der Stadtteil Bonn-Hardtberg an Einwohnern hat. Auf meinem kleinen Hubwagen fühlte ich mich ein bisschen exponiert, als ich den anderen erklären wollte, dass ich meine das dort hinten bald die ersten Teilnehmer der Demo kommen. Und tatsächlich eine kleine Gruppe war die erste der 25.000 und Minuten später vor der großen Bühne.

 © BUND Deutschland

© BUND Deutschland

Der Platz zur Abschlusskundgebung sammelte sich und sammelte sich. Manchmal kamen auch ein paar Journalisten und Journalistinnnen vorbei, sie wollten aber noch nicht hoch.„Noch zu wenige, wie warten noch!“ Alles klar, dacht ich und habe statt Journalisten und Journalistinnen erst mal die Vertreter und Fotografen der Menschenrechts- und Umweltorganisationen mit auf meinen Hubwagen mitgenommen. Auch internationale Organisationen, die für das Klima und die Menschenrechte kämpfen, besuchten mich. Am spannendsten waren natürlich die ausländischen Gäste. Es waren auch die, die einfach Gefühle äußerte und sich freute, sich wirklich sehr begeistert gezeigt haben über so viel Aktion, auch die Höhe und der Standort des Hubwagen war für sie kein Problem. Im Gegenteil verhielten sich ein paar deutsche Journalisten, die das alles nicht schön genug fanden und oftmals über die Auswahl des Platzes schimpften. Da musste ich schon ein wenig schmunzeln. Wer sich Sorgen, um die deutsche Kultur macht, hat definitiv zu wenig im Leben mit der Gesellschaft zu tun. Auch Vertreter und Vertreterinnen der verschiedenen Länder, die zur Klimakonferenz geladen wurden, besuchten meinen kleinen Hubwagen. Teilweise wurden mir auch Handy und Tablets durch die Gitter gereicht, damit ich für sie Fotos von der Demonstration machen konnte.

Fast ausnahmslos waren positive Reaktionen über die Pressearbeit und über die Veranstaltung zu hören. Viel zu kurzweilig kam es mir vor, nachdem ich doch mehrere Stunden mit dem Hubwagen auf und ab gen Himmel und wieder hinunter gefahren bin. Ein wenig leer und schwebend von so viel Fahrerei, trank ich erst mal einen Tee im Pressezelt, bevor ich mich auf den Weg machte, meine Freunde zu finden, die diese Demonstration aus einem komplett anderen Blickwinkel erlebt hatten.

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