Keine 18 Amokläufe – Washington Post differenziert zwischen School Shootings und School Shootings

Letzte Woche wurde vermutlich der bereits 18. Amoklauf in diesem Jahr an einer amerikanischen Schule verübt. Die Washington Post korrigierte die Zahl auf den fünften Amoklauf diesen Jahres. Doch die Diskussion über ein neues Waffengesetz kann auch bei fünf School Shootings in nur 6 Wochen des neuen Jahres sehr angebracht sein. Die Washington Post differenzierte die School Shootings nach den Folgen eines solchen Shootings. Kurz um nach den Verletzen und den getöteten Opfern. Wenn nicht mehrere Opfer getötet wurden, ist es nach der Washington Post kein School Shooting. Nach deutschem Verständnis ist dies zwar auch kein Amoklauf, aber eine Schießerei in einer Schule, kommt der Situation eines Amoklaufs in einer Schule dennoch sehr nahe.
Im Vergleich zu den Amokläufen in Deutschland ist es auf dem ersten Blick einfacher in Amerika eine Amoktat zu begehen, da man mit weniger Aufwand an Schusswaffen kommt. In der letzten Woche wurde nach dem Amoklauf, jedoch auch in den deutschen Medien sehr bunt berichtet und das Thema mit all seinen dreckigen Details aufgebauscht und hochgekocht. Es ist verständlich, dass die mediale Berichterstattung dazu dient, in der Gesellschaft den Informationsdurst zu stillen und die Leere nach solch einer Tat zu füllen.
Dennoch werde ich wohl nie verstehen, warum man so ein Thema so detalliert besprechen muss. Die Berichterstattung über einen Amoklauf charakterisiert und formt das Bild einer solchen Gewalttat. Dieser Verantwortung sind die Medien sich scheinbar noch nicht bewusst… Auch der Medienwissenschaftler Grzeszyk ist der Ansicht, dass „der Amok nie zu trennen ist von den Formen, in denen von ihm berichtet wird“.
Mit der heutigen Berichterstattung gibt man dem Täter, der Täterin genau den Raum, den er oder sie gesucht hat. Es wird detailreich berichtet und man wird für immer im Gedächtnis der Menschen bleiben. Auch das Detail und die Tiefe der Berichterstattung sind oftmals so überzogen, dass man davon ausgehen muss, dass mögliche Nachahmer die besten Informationen und Anleitungen für einen Amoklauf in den Medien finden. So wurde beispielsweise die Tatwaffe von deutschen Amoktätern in Tageszeitungen sehr detalliert  beschrieben. Über ihre Funktionen, den preislichen Rahmen, den Herstelller, die vermeindlichen Gründe zur Wahl dieser Tatwaffe uvm. konnte man in der Zeitung lesen. Hört da nicht die Grenze der Informationspflicht der Medien auf? Ist das nicht eine Aufforderung an alle die, die über Amoklauf nachdenken, sich genau dieselbe Waffe zuzulegen?
Wenn Medien einen Amoklauf gleichsetzen mit anderen „Sensationen“ werden solche Taten und vor allem die Faszination dieser Taten nicht enden.

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