Wie sieht die Kulturförderung der Zukunft aus? Teil IV

Dr. Claudia Lücking-Michel im Interview. Seit 2013 ist sie CDU-Bundestagsabgeordnete für die Stadt Bonn. 2004 wurde sie Mitglied in der Partei. Für Bonn möchte sie ein vielfältiges qualifiziertes Bildungssystem ermöglichen und schätzt sehr, dass die Universität eine internationale Konkurrenzfähigkeit besitzt. Ihre erste politischen Erfahrungen machte sie in ihrer Arbeit beim katholischen deutschen Frauenbund (KDFB).

Was bedeutet für Sie kulturelle Vielfalt?
Das kulturelle Leben in Bonn! Wir haben hier eine vielfältige Szene. Wir haben die großen städtischen Einrichtungen, die vom Bund und vom Land unterstützt werden, wie z.B. die Oper oder das Beethovenfest. Darüber hinaus ist Bonn eine Stadt mit breiten und freien Kulturangeboten, die auch von der Stadt unterstützt werden. Und auch die Museumslandschaft kann sich sehen lassen. Dazu kommen die vielen Kulturvereine mit ausländischem Hintergrund, die sehr engagiert das kulturelle Leben bereichern. Ich nenne hier das internationale Kultur- und das Begegnungsfest auf dem Marktplatz.

Viele Gelder fließen in die touristischen „Attraktionen“ der Stadt, wie das Beethovenfest oder die Oper und gefährden die kulturelle Vielfalt und den Erhalt Bonns, als eine Stadt mit einer vielfältigen und freien Kulturszene.
Würden Sie diese Aussage unterstreichen?
Nein. Ganz und gar nicht. Ich nehme wahr, dass natürlich die großen Sachen wie Beethovenfest oder Beethoven-Jubiläum 2020 als Stadtmarken herausgestellt werden und wir auch die städtischen Projekte, also Theater, Oper, die städtischen Museen sehr im Blick haben. Doch trotz der überaus angespannten Haushaltslage haben wir von der Kürzung der Haushaltsmittel für die freie Kulturszene abgesehen. Das ist ein Spagat. Das ist gar nicht einfach, aber wir haben uns entschieden, nicht die Kleinen aufgrund der großen Projekte aushungern zu lassen.

Mit welchen Maßnahmen würden Sie die kulturelle Vielfalt der Stadt sicherstellen wollen?
Wo sehen Sie ggfs. eine andere politische Handlungsmöglichkeit?
Dem Stadtrat sind leider Handschellen angelegt worden. Für die Gestaltung des Etats sind wir auf eine Haushaltsgenehmigung des Regierungspräsidenten angewiesen. Es ist dezidiert vorgegeben, dass der Kulturetat nicht erhöht, sondern sogar weiter reduziert wird. Dadurch haben wir hier in Bonn ein echtes Problem. Insofern kann sich der Stadtrat auch nicht auf etwas anderes beziehen, außer es wird Geld vom Himmel fallen.
Viele Gelder sind auf lange Sicht gebunden, da bleibt nicht viel Bewegungsmasse. Aber es ist wichtig, dass der Stadtrat trotzdem sagt: Wir kennen die vielen Hürden der freien Einrichtungen und müssen diese Hürden mit dem Geld meistern, das wir haben. Als Bundespolitikerin bin ich engagiert dabei, Bundesmittel für einzelne Projekte einzuwerben. Für das Beethovenjubiläum ist es uns so gelungen eine Förderung von 20 Millionen Euro zu bekommen. Dazu muss man wissen, dass Projektmittel immer nur für ein bestimmtes Projekt dienen, da kann man nicht sagen: Schönen Dank für das Geld, aber wir geben es doch lieber an – nur als Beispiel – das Junge Theater. Aber: Durch die Unterstützung des Bundes hat die Stadt natürlich ein größere Verfügungsmasse, die den kleineren und freien Trägern am Ende sehr helfen kann.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde auf Wunsch des Pressesprechers sprachlich stark verändert.

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