Wie sieht die Kulturförderung der Zukunft aus? Teil II

Ein Interview mit Jürgen Repschläger, Kandidat der Linken und Kulturpolitischer Sprecher der Linksfraktion in Bonn.

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Jürgen Repschläger ist schon lange in der Politik aktiv. Als Kulturpolitischer Sprecher setzt er sich vor allem für faire Arbeitsbedingungen hinter und auf der Bühne ein. Vor allem möchte er „Kultur für alle!“ ermöglichen und zugänglich machen.  Er kämpft für eine sozialere Politik in der Stadt Bonn.

Was bedeutet für Sie kulturelle Vielfalt?
Kultur ist alles. Ein evangelischer Theologe hat mal auf die Frage, was ist Religion gesagt: Religion ist das, was uns unbedingt angeht. Ich würde die Kulturfrage genauso beantworten. Kultur ist das, was uns unbedingt angeht.

Kultur ist wirklich einfach alles – Kultur ist, wenn ich mir morgens einen Kaffee mache. Kultur ist, wenn ich Spaß habe bei einem guten Glas Rotwein ein Gespräch zu führen und Kultur ist auch ins Theater gehen. Ich möchte das nicht aufteilen.

Viele Gelder fließen in die touristischen „Attraktionen“ der Stadt, wie das Beethovenfest oder die Oper und gefährden die kulturelle Vielfalt und den Erhalt Bonns, als eine Stadt mit einer vielfältigen und freien Kulturszene.
Würden Sie diese Aussage unterstreichen?

In Teilbereichen würde ich das so sehen. Ich würde das bei der ganzen zum Glück abgeschlossenen Verhandlung um das Festspielhaus so sehen. Als ich vor acht Jahren in den Rat gekommen bin, habe ich mir (…..) den Kulturausschuss ausgesucht, um das Festspielhaus zu verhindern. In meinen Augen trifft dort das Touristische schon zu. Es tritt auch zu bei allem, was mit Beethoven 2020 zu tun hat. Ich finde es grausam. Ich könnte mich jeden Tag ärgern und in Bäume beißen. Abgrenzen davon möchte ich aber auf jeden Fall das Beethovenfest. Gerade nachdem die Intendanz gewechselt hat, bin ich ein wirklich großer Fan von dem Fest. Frau Wagner ist ganz ganz anders und wird dadurch natürlich ein wenig angegriffen. Sie bringt viele interlektuelle Sachen mit ein, viele Diskussionen und Beiprogramm oder auch die Kombination mit experimentellen und neuen Stücken in Verbindung mit Klassikern.
Ansonsten ist es in der Tat so, dass es für Bonn eher um den Tourismus geht. Das fängt an bei Beethoven 2020 und hört auf mit den Kirschblüten, die hier in der Altstadt einmal im Jahr blühen.
Der Versuch aus dem Kirschblütenfest ein Event zu machen mit Eventmanagern aus Bonn und Köln und hier Frittenbuden aufzustellen, ist alles ganz großer Unsinn. Das Gleiche gilt für das Studiwohnheim am Rhein, wo es ja auch die Idee gab, an Stelle des Festspielhauses ein Campus der Musik zu errichten. Hier soll jetzt ein Hotel entstehen. Ich bin kein Tourismusgegner, alle die nach Bonn kommen sind willkommen, aber eine städtische Kulturpolitik oder auch eine Stadtentwicklungspolitik, die nicht vor der eigenen Haustür kehrt, sondern nur darauf guckt das Leute kommen – dieses Konzept auf die Touristen zu setzen, das lehne ich ab.

Mit welchen Maßnahmen würden Sie die kulturelle Vielfalt der Stadt sicherstellen wollen?
Wo sehen Sie ggfs. eine andere politische Handlungsmöglichkeit?

Es fließen heute mehr Gelder in die freie Kultur, wenn auch lange nicht genug. Zur Hauptstadtzeiten war das noch anders. Alles floß in die Hauptstadtkultur. Es wurde für Jugendliche und die freie Kultur gar nichts gemacht. Das war auch eigentlich der Anfang von meinem damaligen Engagement mit Rheinkultur, Verein Bonner Rockmusiker und Jugendzentren. Das Problem ist, dass im städtischen Haushalt unterschieden wir zwischen Pflichtausgaben und freiwilligen Ausgaben. Die Kultur zählt zu den freiwilligen Ausgaben und kann jedes Mal wieder weggenommen werden, wenn mal wieder Ebbe in der kommunalen Kasse ist. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Kultur nicht mehr unter freiwilligen Ausgaben, sondern unter die Ausgaben für die Grundversorgung der Bevölkerung wie Wohnen, Essen, Gesundheit geführt wird.

 

Eine Interviewreihe für die Bürger*innen und Kulturschaffenden der Stadt Bonn zur Bundestagswahl 2017.

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